Früher wurden Vegetarier als Birkenstock tragende Weltverbesserer belächelt. Die Zeiten sind längst vorbei und Vegetarismus ist auch keine Neuerscheinung des letzten Jahrhundert und gar nicht mehr so selten.
1,6 Prozent der deutschen Bevölkerung bevorzugen laut Studien eine vegetarische Lebensweise. Andere Umfragen ergeben jedoch, dass es sogar 8 Prozent sind, die sich überwiegend vegetarisch ernähren, das sind ca. 6 Millionen der Deutschen.
Vegetarier ist nicht gleich Vegetarier: Es gibt verschiedene Abstufungen, Ovo-Lacto-Vegetarier (diese essen auch Ei- und Milchprodukte), Lacto-Vegetarier (versichten auch auf Eier und deren Produkte) und Veganer (verzehren überhaupt keine tierischen Produkte). Welche Form die Beste ist, wird an anderer Stelle ausführlich diskutiert. In diesem Artikel geht es um die Form des Vegetarismus, bei der auch Milch- und Ei-Produkte gegessen werden, also um Ovo-Lacto-Vegetarier.
Ein Vegetarier leidet keinen Mangel
Viele Menschen denken, dass eine vegetarische (ovo-lacto) einseitig ist und dadurch Mangelerscheinungen hervorruft. Das ist schlicht falsch! Natürlich muss man sich als Vegetarier genau informieren, welche Nährstoffe in welchem Obst, Gemüse, Getreide sowie in Milch- und Eiprodukten stecken. Der Mensch braucht jedoch kein Fleisch, um sich ausgewogen und gesund zu ernähren.
Dazu seien an dieser Stelle vom Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Giesen Prof. Dr. Claus Leitzmann und Rosemarie Schönhofer-Rempt zitiert: «[Die vegetarische Lebensweise] führt zu keiner Mangelversorgung, weder beim Protein noch beim Eisen, Kalzium oder Vitamin B12. […] Insgesamt kann die vegetarische Lebensweise, die neben einer gesunderhaltenden Ernährung u.a. auch regelmässige körperliche Bewegung und Meidung von Suchtmitteln beinhaltet, als zeitgemäss betrachtet werden. Es wäre zu wünschen, dass diese Erkenntnis nicht nur bei der Bevölkerung, sondern auch bei allen Entscheidungsträgern, die für die Gesundheit der Menschen zuständig sind, beachtet wird.»
Vorteile für Ihre Gesundheit
Viele Zivilisationskrankheiten sind direkt oder indirekt mit unserer Ernährung verbunden, denn der steigende Wohlstand hat zu einer Veränderung der Ernährungsgewohnheiten geführt.
Fleisch war früher etwas Besonderes und wurde nicht jeden Tag verzehrt, Obst, Gemüse und Getreideprodukte standen im Vordergrund. Heutzutage gehört für viele Menschen jeden Tag mindestens einmal Fleisch/Wurst oder Fisch/Meeresfrüchte auf den Tisch. Die Auswirkungen dessen sind nicht nur gesundheitlich sondern auch ökologisch und ethisch bedenklich. Die letzten beiden Punkte werden anderswo ausfühlich dargelegt.
Menschen, die sich vegetarisch ernähren haben, Studien zu Folge, ein geringeres Risiko an folgenden Krankheiten (eine kleine Auswahl) zu erkranken – sie zählen zu den Zivilisationskrankheiten:
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atherosklerose
Vergetarier haben meist günstigere Blutfettwerte als Nichtvegetarier. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Vegetarier eine geringere Aufnahme von gesättigten Fettsäuren und Cholesterin und gleichzeitig eine höhere Aufnahme von ungesättigten Fettsäuren sowie Ballststoffen haben. Positive Auswirkungen hat vor allem der Verzehr von Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Ölsamen. Die gefäßschützende Wirkung pflanzlicher Lebensmittel liegt am hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Die isolierte Aufnahme der Wirkstoffe kann den Verzehr der genannten Dinge nicht ersetzen, denn das Zusammenwirken der Stoffe ist entscheidend bei der Senkung des Risikos von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Folge von Atherosklerose.
Ein guter Weg Herz-Kreislauf-Erkrankungen, entgegenzuwirken, ist die Umstellung auf vegetarische Kost (wenigstens aber die Reduktion von Fleisch auf dem wöchentlichen Speiseplan).
Übergewicht
Eine Ernährung, die vorwiegend aus Obst, Gemüse und Getreideprodukten besteht, sorgt für die hohe Aufnahme wertvoller Ballaststoffe und sekundärer Pflanzenstoffe. Das bedeutet, dass wir dadurch komplexe Kohlenhydrate zu uns nehmen, die ein hohes Sättigungsgefühl bei niedrigem Energiegehalt erzeugen. Das heißt, es ist für einen Vegetarier sehr schwierig, sich ein Übergewicht „anzufressen“, wenn er sich halbwegs ausgewogen ernährt. Essen wir nun zusätzlich noch Flesich, das einen sehr hohen Energiegehalt hat, nehmen zu viele Kalorien zu uns, die wir gar nicht verbrennen können, denn wir leben heutzutage sehr bequem und bewegen uns den ganzen Tag zu wenig. Dies hat zur Folge, dass wir an Körpergewicht zunehmen mit all seinen Folgen (Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkranungen des Bewegungsapparates, etc.).
Nein, ich will damit nicht sagen, dass jeder Nicht-Vegetarier früher oder später an Übergewicht zu leiden haben wird! Aber das Risiko ist höher.
Diabetes mellitus
Auch bei der Erkrankung an Diabetes mellitus Typ 2 liegen die Vegetarier weit hinter den Nichtvegetariern. Das liegt zum Einen daran, dass Vegetarierim Durchschnitt einen geringeren BMI haben als Fleischesser und Übergewicht ist großer Risikofaktor, an Diabetes zu erkranken. Des Weiteren haben Vegetarier niedrigere Blutzucker- und Insulinwerte, was die Insulinempfindlichkeit der Zellen gesteiget hält, denn Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 haben aufgrund eines zu hohen Blutzucker- und Blutfettspiegels eine Insulinresistenz entwickelt.
Je mehr Fleisch im Durchschnitt verzehrt wird, desto höher das Diabetes-Risiko. Da gesättigte Fettsäuren aus für eine hohe Insulinkonzentration im Blut sorgen, gehört die Aufnahme gesättigter Fettsäuren tierischer Produkte zu den möglichen Ursachen von Diabetes. Zusätzlich werden die insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse durch die Stickstoffverbindungen (wie Nitrit und Nitrosamine), die in verarbeiteten Fleisch- und Fischwaren enthalten sind, geschädigt. Auch überschüssiges Eisen aus Fleisch kann diese Zellen schädigen, da es die Bildung freier Sauerstoffradikale fördert.
Fazit
Sie müssen nicht komplett auf den Verzehr/Genuss von Fleisch verzichten, aber mehr als 1-2 Mahlzeiten, zu denen Fleisch gehört, sollten es in der Woche nicht sein. Wie bereits erwähnt hat es nicht nur gesundheitliche Gründe, die für Sie persönlich jedoch die wichtigsten sein sollten. Betrachten Sie den Verzicht auf Fleisch und Fisch nicht als Einschränkung in Ihrem Leben sondern als eine Investition in Ihre Gesundheit.
Quellen:
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https://www.vebu.de/
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http://www.vegetarismus.ch/
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Urban & Fischer, München: Heinrich Kaspar, Ernährungsmedizin und Diätetik, Seiten 565 ff.
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Dr. Felix Büchner – Handwerkund Technik, Hamburg: Cornelia A. Schlieper, Grundfragen der Ernährung, Seiten 369 ff.